Bordrechner für Yachten

Rechner an Bord

Bord-PCs werden in der Sportschifffahrt seit rund 20 Jahren eingesetzt. In den 90ern waren es meist Notebooks die klein genug waren und einfach aus der Bordsteckdose mit Strom versorgt werden konnten. Aber auch diese mussten sorgfältig ausgesucht werden. Notebooks eines großen Discounters konnten die Bordbatterie durchaus auch mal mit 90 Watt belasten, aus heutiger Sicht eine gigantische Verschwendung. Die damals aufkommenden elektronischen Seekarten, und bei vielen Skippern der Empfang des Seewetterberichtes, waren die einzigen Anwendungen auf dem Bordrechner.

Heute will der Skipper natürlich viel mehr: Nach wie vor steht die elektronische XS36-WebBolgSeekarte im Vordergrund. Diese verlässliche Navigationshilfe ist unverzichtbar und von kaum einer Yacht wegzudenken. Gleiches gilt für den Seewetterbericht. Wurde er vor 20 Jahren noch per GSM-Modem mühsam und teuer heruntergeladen, steht dafür heute das Internet zur Verfügung. Damit ist auch schon eine Anwendung beschrieben, die heute an Bord eine wichtige Rolle spielt, nämlich die Kommunikation. Während auf Seeschiffen und Megayachten eine Satelliten-Flatrate für viele tausend Euro pro Monat der Normalfall ist, suchen sich Freizeitkapitäne andere Kommunikationswege. Siehe dazu auch unseren Blog-Beitrag „Internet an Bord“. Darüber hinaus ist jedes Programm, das auch zuhause oder im Büro genutzt wird, auch auf Bordrechnern zu finden. Reisetagebuch, Entertainment, Spiele, Webhosting, Video- und Bildbearbeitung, usw. usw.

Vor der Auswahl eines Bord-PCs ist zunächst zu klären, welche Anwendungen an Bord genutzt werden sollen. Geht es „nur“ um Navigation, Kommunikation und Logbuch, sind bereits PCs im unteren Leistungsbereich unterfordert. Diesen gilt ganz klar unsere Empfehlung. Mit unterem Leistungsbereich meinen wir PCs, die mit einem Atom- oder Celeron-Prozessor ausgerüstet sind. Werden hingegen auch rechenintensive Anwendungen, wie zum Beispiel die Bearbeitung von Videos, benutzt, sind Core-Prozessoren sinnvoll. Bedenken Sie dabei immer, dass mehr Rechenleistung auch eine größere Leistungsaufnahme (Watt) bedeutet, also auch mehr Wärme produziert wird. Gegebenenfalls werden wir Sie gerne beraten.

 

Leistungsaufnahme

Die Kapazität der Batterien an Bord ist begrenzt, weshalb jeder Verbraucher sehr sorgfältig ausgesucht werden muss. Deshalb bekommt die Auswahl des Bord-PCs eine besondere Bedeutung. Ebenso wichtig ist der Bildschirm. Reicht ein Bildschirm aus oder werden zwei, oder gar noch mehr, benötigt? Der Hersteller Shuttle hat kürzlich sogar einen Bord-PC vorgestellt, an dem gleich drei Bildschirme angeschlossen werden können. Denken Sie auch an die Hintergrundbeleuchtung, die Strom verbraucht.

Die lüfterlosen Shuttle-Rechner verbrauchen selbst in der rechenintensiven Installationsphase gerade einmal 12 Watt. Das ist sensationell wenig.

Einige deutlich leistungsstärkere SlimLines werden von uns vorzugsweise mit dem Core i3-4130T angeboten, da dieser Prozessor besonders sparsam mit der Bord-Batterie umgeht. Auch hier bleibt es deutlich unter 30 Watt.

 

Lüfter oder lüfterlos

X50V4_WebBlogDie von uns empfohlenen Bord-PCs im unteren Leistungsbereich verzichten auf Lüfter. Die natürliche Konvektion reicht zur Kühlung aus, soweit die unmittelbare Umgebung belüftet ist. Damit bleibt es absolut ruhig an Bord. Aber auch die leistungsstärkeren Rechner mit Core-Prozessoren sind kaum zu hören. Sie benötigen zwar 2 kleine Lüfter, die temperaturgesteuert sind und sich im Normalfall so langsam drehen, dass man schon genau hinhören muss, um gestört zu werden. Direkt neben der Koje sollte der Bord-Rechner aber trotzdem nicht stehen.

 

Wie werden IT-Geräte an Bord mit Strom versorgt?

Auf der Yacht steht eine ungeregelte Gleichspannung von meist 12 Volt zur Verfügung. IT-Geräte benötigen hingegen eine geregelte (geglättete) Gleichspannung, meist mit einem höheren Spannungspegel. Shuttle z. B. benötigt 19 Volt. Um diese geregelte Gleichspannung zu erzeugen empfiehlt es sich einen Spannungswandler einzusetzen, der direkt aus dem Bordnetz die richtige Spannung erzeugt. Alternativ können aus dem Bordnetzt über einen Wechselrichter auch 220 Volt als Wechselstrom erzeugt werden, die danach über ein externes Netzteil wieder die Gleichspannung für den Bordrechner erzeugt. Diesen Weg gehen viele Eigner, vergessen dabei aber, dass 10-15 % Verlustleistung durch die doppelte Wandlung verlorengehen.

 

Wo und wie werden die Geräte sturmsicher befestigt?

Egal wie leistungsstark der Bordrechner ist, er produziert immer eine Verlustleistung, die in Wärme umsetzt wird. Deshalb muss er an einem belüfteten Ort montiert werden. In einem ungelüfteten Schapp wird er irgendwann den Wärmetod erleiden. Blauwassersegler wissen, wie ruppig es auf See zugehen kann. Deshalb ist bei der Auswahl des Rechners sehr sorgfältig auf eine sturmsichere und professionelle Montagemöglichkeit zu achten.

 

Speicher und Speichermedien

  • Beim Hauptspeicher (RAM) kann man nichts falsch machen. Wer sich für ein 32-Bit-Betriebssystem entscheidet kann  wegen der technischen Vorgaben nur einen Speicher bis rund 3,5 GByte nutzen. Er kann sich also nur für 4 GByte RAM entscheiden, mehr geht nicht.
    Mit einem 64-Bit-Betriebssytem können sogar mehr als 8 GByte RAM adressiert werden. Sie werden aber für die klassischen Aufgaben an Bord nicht gebraucht. Andererseits sind die RAM-Preise so weit im Keller, dass diese Entscheidung von untergeordneter Bedeutung ist.
  • Beim Massenspeicher gibt es eine klare Empfehlung. Die Vorteile von Solid-States-Drives (SSD) sind so überzeugend, dass eine Festplatte mit seinem rotierenden Medium schon seit langer nicht mehr empfohlen werden kann.
    Auch bei der Größe kann gespart werden. Nur für die Navigationsaufgaben sind 60 GByte allemal genug. Wer an Bord arbeiten will nimmt 120 GByte und wer Bilder oder Videos an Bord nachbereiten möchte wählt eine 240 GByte SSD aus. Von noch größeren SSDs ist aktuell aus Preisgründen abzuraten. Stattdessen kann im Bedarfsfall im Hafen auch eine externe Festplatte angeschlossen werden.
  • Optische Speicher (CD/DVD) sollten nur extern betrieben werden. Sie werden viel zu selten gebraucht und verbrauchen wertvollen Bordstrom. Bei Bedarf aus dem Schapp holen, an einen freien USB-Port anschließen und schon geht’s los.
  • Kartenleser sind wertvolle Helfer und sollten grundsätzlich nicht fehlen.

 

Schnittstellen

Ein besonders wichtiges Thema, dass unbedingt vor einer Kaufentscheidung geklärt werden muss ist: Welche Schnittstellen werden in welcher Anzahl tatsächlich benötigt?

Beispiel: Schnittstellenbelegung vom "Shuttle DS81"

Beispiel: Schnittstellenbelegung vom „Shuttle DS81“

  • Für den Anschluss eines oder mehrerer Monitore an einen Bordrechner gibt es inzwischen vier sehr unterschiedliche Video-Schnittstellen. Wir kennen den klassischen VGA-, HDMI-, DVI-I, DVI-D und den Display-Port. Welche(n) Schnittstelle(n) Sie benötigen gibt der anzuschließende Monitor vor. Häufig wird ein Bordrechner erneuert, der alte Monitor soll aber weiterhin genutzt werden. Soll PC und Monitor zeitgleich erneuert werden, wird sich die Frage nicht stellen.
  • RS232-Schnittstellen (nicht ganz korrekt auch als serielle Schnittstellen oder COM-Ports bezeichnet) werden hin und wieder immer noch gerne benutzt. Sie sind unkompliziert in der Nutzung und sicher in der Datenübertragung. Hierbei ist es wichtig sich vorab über die Anzahl der benötigten Schnittstellen klar zu sein. Eine nachträgliche Erweiterung kann einen hohen Aufwand bedeuten.
  • USB 2.0 und/oder USB 3.0 ist heute an jedem PC vorhanden und für jeden Skipper selbstverständlich. Sind nicht genügend Schnittstellen vorhanden, lassen sie sich durch externe USB-Hubs ganz einfach vervielfachen. Beide USB-Versionen sind miteinander kompatibel, sodass z.B. eine externe Festplatte mit USB 3.0 auch an einem USB 2.0-Anschluss funktioniert. Die Datenübertragungsgeschwindigkeit wird dann allerdings durch die langsamere Geschwindigkeit des USB 2.0-Anschlusses reduziert.

Bordrechner-Matrix

 

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